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May 4, 2025
ECM
Praxiseinsatz Energie Thun: Ausgleichsenergie mit Flexibilität gezielt optimieren
Praxiseinsatz Energie Thun: Ausgleichsenergie mit Flexibilität gezielt optimieren
Je stärker Photovoltaik, Batteriespeicher, Wärmepumpen und Ladestationen die Energieflüsse verändern, desto anspruchsvoller wird die kurzfristige Portfoliobewirtschaftung für Energieversorger. Erfahrungen aus dem produktiven Einsatz bei Energie Thun zeigen: Echtzeitnahe Intraday-Hochrechnungen kombiniert mit einem gezielten Flexibilitätseinsatz können helfen, Abweichungen früh zu erkennen und Ausgleichsenergiekosten wirksam zu reduzieren.
Je stärker Photovoltaik, Batteriespeicher, Wärmepumpen und Ladestationen die Energieflüsse verändern, desto anspruchsvoller wird die kurzfristige Portfoliobewirtschaftung für Energieversorger. Erfahrungen aus dem produktiven Einsatz bei Energie Thun zeigen: Echtzeitnahe Intraday-Hochrechnungen kombiniert mit einem gezielten Flexibilitätseinsatz können helfen, Abweichungen früh zu erkennen und Ausgleichsenergiekosten wirksam zu reduzieren.

Das Wichtigste in Kürze
Die wachsende PV-Produktion macht Erzeugungsportfolios wetterabhängiger und kurzfristig volatiler.
Auch gute Day-Ahead-Prognosen können bei wechselhafter Bewölkung innerhalb einzelner Viertelstunden deutlich von der tatsächlichen Produktion abweichen.
Echtzeitnahe Messwerte und Intraday-Hochrechnungen schaffen Transparenz über die aktuelle Position einer Bilanz- oder Subbilanzgruppe.
Flexible Anlagen können gezielt eingesetzt werden, um relevante Portfolioabweichungen zu reduzieren.
Ein Praxiseinsatz mit Energie Thun zeigt, dass ein klar abgegrenzter Anwendungsfall als Einstieg ins Flexibilitätsmanagement geeignet ist.
Der langfristige Nutzen entsteht durch eine Plattform, die Prognosen, Messdaten, Marktinformationen und unterschiedliche Flexibilitäten gemeinsam berücksichtigt.
Warum werden Prognoseabweichungen für EVU anspruchsvoller?
Mit dem Ausbau dezentraler PV-Anlagen nimmt die kurzfristige Volatilität der Stromproduktion zu. Wetterwechsel oder lokale Bewölkung können dazu führen, dass die tatsächliche Einspeisung innerhalb kurzer Zeit deutlich von der Prognose abweicht.
Klassische Prognosemodelle lassen sich zwar weiter verbessern. Eine natürliche Grenze bleibt: Die kurzfristige Entwicklung der Globalstrahlung lässt sich nicht beliebig genau vorhersagen. Eine grundsätzlich gute Day-Ahead-Prognose kann deshalb in einzelnen Viertelstunden trotzdem erheblich danebenliegen.
Gleichzeitig verändert sich die Verbrauchsseite. Wärmepumpen, Batteriespeicher, Ladestationen und Energiemanagementsysteme beeinflussen Lastprofile und Eigenverbrauch. Damit müssen Energieversorger künftig mehr Faktoren gleichzeitig in ihrer Portfoliobewirtschaftung berücksichtigen.
Was bringt eine Intraday-Hochrechnung?
Eine Intraday-Hochrechnung zeigt laufend, wie sich das tatsächliche Portfolio gegenüber dem beschafften beziehungsweise gehandelten Fahrplan entwickelt. Dafür werden aktuelle Messwerte aus Erzeugungsanlagen, Verbrauchsstellen und Speichern in kurzen Intervallen eingelesen und auf das Gesamtportfolio hochgerechnet. So wird sichtbar, ob sich eine Bilanzgruppe in Richtung Long- oder Short-Position entwickelt.
Gerade bei PV-Anlagen ist diese Aktualität entscheidend. Produktionsabweichungen können sich innerhalb weniger Minuten verändern. Entsprechend wichtig sind kurze Messintervalle, zuverlässige Datenverbindungen und eine Hochrechnung, welche die regionale Wettersituation ausreichend differenziert abbildet. Im Praxiseinsatz zeigte sich beispielsweise, dass bei geografisch ausgedehnten Versorgungsgebieten separate Hochrechnungen für unterschiedliche Wetterregionen sinnvoll sein können.
Der Mehrwert entsteht dabei bereits vor einem automatischen Eingriff: Wer seine aktuelle Portfolioposition kennt, kann schneller entscheiden, ob eine Reaktion erforderlich ist, beispielsweise durch Intraday-Handel oder einen Flexibilitätsabruf.

Bild: Ein Beispiel einer PV-Abregelung auf den Eigenverbrauch
Wie wird aus einer Abweichung ein Flexibilitätsabruf?
Nicht jede erkannte Abweichung sollte automatisch zu einem Eingriff führen. Entscheidend ist, ob ein Flexibilitätseinsatz unter den aktuellen energiewirtschaftlichen Bedingungen sinnvoll ist. Im Anwendungsfall mit Energie Thun werden deshalb mehrere Faktoren berücksichtigt, darunter:
Höhe und Richtung der Portfolioabweichung
verfügbare flexible Leistung
Einsatz- und Opportunitätskosten
Situation der Regelzone
definierte Freigaben und Schwellenwerte
Für den Einstieg wurde bewusst eine einfache und transparente Regelstrategie gewählt. Muss beispielsweise die PV-Produktion reduziert werden, können ausgewählte Anlagen gezielt abgeregelt werden. Dabei lässt sich der Eigenverbrauch berücksichtigen, sodass die Produktion möglichst nur bis auf das lokal benötigte Niveau reduziert wird.
Diese Nachvollziehbarkeit ist im operativen Betrieb wichtig. Anwender müssen verstehen können, weshalb ein Eingriff ausgelöst wurde und welche Auswirkungen er hatte.
Was zeigt der Praxiseinsatz mit Energie Thun?
Der gemeinsame Anwendungsfall von Energie Thun und meonet zeigt, dass sich Flexibilitätsmanagement schrittweise und produktionsnah einführen lässt. Von der Bestellung bis zur Inbetriebnahme eines ersten Minimum Viable Product, kurz MVP, vergingen drei Monate. Zunächst wurden grössere PV-Anlagen eingebunden, bei denen geeignete Mess- und Steuergeräte bereits vorhanden waren.
Die Produktionswerte wurden in kurzen Intervallen erfasst und mit der erwarteten Einspeisung verglichen. Daraus entstand laufend eine Hochrechnung der Portfolioposition. Bereits nach wenigen Wochen im produktiven Betrieb liess sich zeigen, dass die Ausgleichsenergiekosten markant reduziert werden konnten.
Nach dem MVP wurde das System schrittweise weiterentwickelt. Dazu gehörten unter anderem verbesserte Prognose- und Regelalgorithmen, eine umfassendere Systemüberwachung sowie standardisierte Schnittstellen und Betriebsprozesse.
Eine wichtige praktische Erkenntnis betraf den Eigenverbrauch: Statt eine PV-Anlage bei einem Abruf vollständig abzuregeln, wird die Produktion heute möglichst nur bis auf die Eigenverbrauchsleistung reduziert. Dadurch soll vermieden werden, dass lokal erzeugte Energie durch zusätzlichen Netzbezug ersetzt werden muss.
Welche Faktoren sind im Produktivbetrieb besonders wichtig?
Der wirtschaftliche Nutzen hängt weniger von einem einzelnen Algorithmus als vom zuverlässigen Zusammenspiel der gesamten Prozesskette ab. Dazu gehören insbesondere Konnektivität, Messdaten, Prognosen, Preisinformationen und Anlagensteuerung.
Aktuelle Daten sind entscheidend: Messwerte müssen so häufig verfügbar sein, dass relevante Abweichungen rechtzeitig erkannt werden. Bei PV kann sich die Produktion innert Minuten verändern.
Transparente Regellogiken erleichtern den Einstieg: Klare Schwellenwerte und verständliche Freigabebedingungen schaffen Nachvollziehbarkeit. Gerade zu Beginn ist eine transparente Logik oft wertvoller als eine hochkomplexe Optimierung, deren Entscheidungen kaum erklärbar sind.
Skalierung entscheidet über den wirtschaftlichen Nutzen: Kleine steuerbare Anlagen können technisch problemlos integrierbar sein, liefern einzeln jedoch nur begrenzte Flexibilität. Erst im Verbund entsteht eine energiewirtschaftlich relevante Leistung.
Gute Dashboards gehören zur Lösung: Die operative Nutzung verlangt eine verständliche Sicht auf Portfolioabweichung, Prognoseentwicklung und ausgeführte Eingriffe. Technische Automatisierung allein reicht deshalb nicht aus.
Warum ist Ausgleichsenergie ein guter Einstieg ins Flexibilitätsmanagement?
Die Optimierung von Ausgleichsenergie eignet sich als erster Use Case, weil Wirkung und Wirtschaftlichkeit vergleichsweise direkt messbar sind. Gleichzeitig entsteht mit dem ersten Anwendungsfall bereits eine technische Basis, die später für weitere Aufgaben genutzt werden kann. Messwerte, Prognosen, Steuerbefehle und Rückmeldungen müssen dann nicht für jeden neuen Use Case separat aufgebaut werden.
Damit verändert sich auch die Rolle des Flexibilitätsmanagements: Aus einer reaktiven Regelung für einen einzelnen Zweck wird schrittweise eine vorausschauende Optimierung verschiedener Anlagen und Ziele.
Was wird bei mehreren Flexibilitäts-Use-Cases anspruchsvoller?
Sobald dieselbe Flexibilität für verschiedene Anwendungen eingesetzt werden kann, muss ihr Einsatz priorisiert werden. Ein Batteriespeicher könnte beispielsweise für die Portfoliobewirtschaftung genutzt werden, später aber auch für Peak-Shaving oder einen anderen energiewirtschaftlichen Zweck wertvoll sein. Eine rein reaktive Entscheidung reicht dann nicht mehr.
Künftig muss eine Optimierung deshalb unter anderem Prognosen, Anlagenrestriktionen, Marktpreise und Netzanforderungen über einen längeren Planungshorizont gemeinsam betrachten. Ziel ist keine vollständig autonome «Black Box». Der Energieversorger soll die Kontrolle über Regeln, Geschäftsprozesse, Kundenbeziehungen und Vergütungsmodelle behalten.
Wie sollten Energieversorger mit Flexibilitätsmanagement starten?
Ein klar abgegrenzter produktiver Use Case ist häufig sinnvoller als der sofortige Aufbau einer umfassenden Flexibilitätsplattform. Der Praxiseinsatz zeigt einen möglichen Weg:
einen wirtschaftlich nachvollziehbaren Anwendungsfall definieren,
geeignete steuerbare Anlagen auswählen,
Messdaten und Konnektivität sicherstellen,
mit verständlichen Entscheidungsregeln starten,
Ergebnisse transparent auswerten,
die Lösung anhand realer Erfahrungen schrittweise erweitern.
So entstehen früh belastbare Erkenntnisse zu Technik, Betriebsprozessen und Wirtschaftlichkeit.
Fazit: Erst Transparenz schaffen, dann gezielt automatisieren
Die Erfahrungen aus eineinhalb Jahren Praxiseinsatz zeigen, dass Intraday-Hochrechnung und gezielter Flexibilitätseinsatz zu einer wirksameren kurzfristigen Portfoliobewirtschaftung beitragen können. Besonders wichtig sind aktuelle Messdaten, zuverlässige Konnektivität, verständliche Regellogiken und eine Architektur, die sich auf weitere Anlagen und Anwendungen erweitern lässt. Für Energieversorger bedeutet das: Flexibilitätsmanagement muss nicht mit maximaler Komplexität beginnen. Ein klarer, wirtschaftlich messbarer Anwendungsfall kann die bessere Grundlage sein, um im produktiven Betrieb Erfahrungen zu sammeln.
Du möchtest prüfen, welche Flexibilitäten in deinem Portfolio bereits nutzbar sind?
meonet unterstützt Energieversorger bei der Verbindung von Energiedaten, Portfoliobewirtschaftung, Anlagensteuerung und praxistauglichen Softwarelösungen. Kontaktiere Paul Hugentobler für mehr Informationen.
Weitere Informationen zum Erfahrungsbericht mit Energie Thun findest du auch im Bulletin-Artikel vom 21. September 2026.

Das Wichtigste in Kürze
Die wachsende PV-Produktion macht Erzeugungsportfolios wetterabhängiger und kurzfristig volatiler.
Auch gute Day-Ahead-Prognosen können bei wechselhafter Bewölkung innerhalb einzelner Viertelstunden deutlich von der tatsächlichen Produktion abweichen.
Echtzeitnahe Messwerte und Intraday-Hochrechnungen schaffen Transparenz über die aktuelle Position einer Bilanz- oder Subbilanzgruppe.
Flexible Anlagen können gezielt eingesetzt werden, um relevante Portfolioabweichungen zu reduzieren.
Ein Praxiseinsatz mit Energie Thun zeigt, dass ein klar abgegrenzter Anwendungsfall als Einstieg ins Flexibilitätsmanagement geeignet ist.
Der langfristige Nutzen entsteht durch eine Plattform, die Prognosen, Messdaten, Marktinformationen und unterschiedliche Flexibilitäten gemeinsam berücksichtigt.
Warum werden Prognoseabweichungen für EVU anspruchsvoller?
Mit dem Ausbau dezentraler PV-Anlagen nimmt die kurzfristige Volatilität der Stromproduktion zu. Wetterwechsel oder lokale Bewölkung können dazu führen, dass die tatsächliche Einspeisung innerhalb kurzer Zeit deutlich von der Prognose abweicht.
Klassische Prognosemodelle lassen sich zwar weiter verbessern. Eine natürliche Grenze bleibt: Die kurzfristige Entwicklung der Globalstrahlung lässt sich nicht beliebig genau vorhersagen. Eine grundsätzlich gute Day-Ahead-Prognose kann deshalb in einzelnen Viertelstunden trotzdem erheblich danebenliegen.
Gleichzeitig verändert sich die Verbrauchsseite. Wärmepumpen, Batteriespeicher, Ladestationen und Energiemanagementsysteme beeinflussen Lastprofile und Eigenverbrauch. Damit müssen Energieversorger künftig mehr Faktoren gleichzeitig in ihrer Portfoliobewirtschaftung berücksichtigen.
Was bringt eine Intraday-Hochrechnung?
Eine Intraday-Hochrechnung zeigt laufend, wie sich das tatsächliche Portfolio gegenüber dem beschafften beziehungsweise gehandelten Fahrplan entwickelt. Dafür werden aktuelle Messwerte aus Erzeugungsanlagen, Verbrauchsstellen und Speichern in kurzen Intervallen eingelesen und auf das Gesamtportfolio hochgerechnet. So wird sichtbar, ob sich eine Bilanzgruppe in Richtung Long- oder Short-Position entwickelt.
Gerade bei PV-Anlagen ist diese Aktualität entscheidend. Produktionsabweichungen können sich innerhalb weniger Minuten verändern. Entsprechend wichtig sind kurze Messintervalle, zuverlässige Datenverbindungen und eine Hochrechnung, welche die regionale Wettersituation ausreichend differenziert abbildet. Im Praxiseinsatz zeigte sich beispielsweise, dass bei geografisch ausgedehnten Versorgungsgebieten separate Hochrechnungen für unterschiedliche Wetterregionen sinnvoll sein können.
Der Mehrwert entsteht dabei bereits vor einem automatischen Eingriff: Wer seine aktuelle Portfolioposition kennt, kann schneller entscheiden, ob eine Reaktion erforderlich ist, beispielsweise durch Intraday-Handel oder einen Flexibilitätsabruf.

Bild: Ein Beispiel einer PV-Abregelung auf den Eigenverbrauch
Wie wird aus einer Abweichung ein Flexibilitätsabruf?
Nicht jede erkannte Abweichung sollte automatisch zu einem Eingriff führen. Entscheidend ist, ob ein Flexibilitätseinsatz unter den aktuellen energiewirtschaftlichen Bedingungen sinnvoll ist. Im Anwendungsfall mit Energie Thun werden deshalb mehrere Faktoren berücksichtigt, darunter:
Höhe und Richtung der Portfolioabweichung
verfügbare flexible Leistung
Einsatz- und Opportunitätskosten
Situation der Regelzone
definierte Freigaben und Schwellenwerte
Für den Einstieg wurde bewusst eine einfache und transparente Regelstrategie gewählt. Muss beispielsweise die PV-Produktion reduziert werden, können ausgewählte Anlagen gezielt abgeregelt werden. Dabei lässt sich der Eigenverbrauch berücksichtigen, sodass die Produktion möglichst nur bis auf das lokal benötigte Niveau reduziert wird.
Diese Nachvollziehbarkeit ist im operativen Betrieb wichtig. Anwender müssen verstehen können, weshalb ein Eingriff ausgelöst wurde und welche Auswirkungen er hatte.
Was zeigt der Praxiseinsatz mit Energie Thun?
Der gemeinsame Anwendungsfall von Energie Thun und meonet zeigt, dass sich Flexibilitätsmanagement schrittweise und produktionsnah einführen lässt. Von der Bestellung bis zur Inbetriebnahme eines ersten Minimum Viable Product, kurz MVP, vergingen drei Monate. Zunächst wurden grössere PV-Anlagen eingebunden, bei denen geeignete Mess- und Steuergeräte bereits vorhanden waren.
Die Produktionswerte wurden in kurzen Intervallen erfasst und mit der erwarteten Einspeisung verglichen. Daraus entstand laufend eine Hochrechnung der Portfolioposition. Bereits nach wenigen Wochen im produktiven Betrieb liess sich zeigen, dass die Ausgleichsenergiekosten markant reduziert werden konnten.
Nach dem MVP wurde das System schrittweise weiterentwickelt. Dazu gehörten unter anderem verbesserte Prognose- und Regelalgorithmen, eine umfassendere Systemüberwachung sowie standardisierte Schnittstellen und Betriebsprozesse.
Eine wichtige praktische Erkenntnis betraf den Eigenverbrauch: Statt eine PV-Anlage bei einem Abruf vollständig abzuregeln, wird die Produktion heute möglichst nur bis auf die Eigenverbrauchsleistung reduziert. Dadurch soll vermieden werden, dass lokal erzeugte Energie durch zusätzlichen Netzbezug ersetzt werden muss.
Welche Faktoren sind im Produktivbetrieb besonders wichtig?
Der wirtschaftliche Nutzen hängt weniger von einem einzelnen Algorithmus als vom zuverlässigen Zusammenspiel der gesamten Prozesskette ab. Dazu gehören insbesondere Konnektivität, Messdaten, Prognosen, Preisinformationen und Anlagensteuerung.
Aktuelle Daten sind entscheidend: Messwerte müssen so häufig verfügbar sein, dass relevante Abweichungen rechtzeitig erkannt werden. Bei PV kann sich die Produktion innert Minuten verändern.
Transparente Regellogiken erleichtern den Einstieg: Klare Schwellenwerte und verständliche Freigabebedingungen schaffen Nachvollziehbarkeit. Gerade zu Beginn ist eine transparente Logik oft wertvoller als eine hochkomplexe Optimierung, deren Entscheidungen kaum erklärbar sind.
Skalierung entscheidet über den wirtschaftlichen Nutzen: Kleine steuerbare Anlagen können technisch problemlos integrierbar sein, liefern einzeln jedoch nur begrenzte Flexibilität. Erst im Verbund entsteht eine energiewirtschaftlich relevante Leistung.
Gute Dashboards gehören zur Lösung: Die operative Nutzung verlangt eine verständliche Sicht auf Portfolioabweichung, Prognoseentwicklung und ausgeführte Eingriffe. Technische Automatisierung allein reicht deshalb nicht aus.
Warum ist Ausgleichsenergie ein guter Einstieg ins Flexibilitätsmanagement?
Die Optimierung von Ausgleichsenergie eignet sich als erster Use Case, weil Wirkung und Wirtschaftlichkeit vergleichsweise direkt messbar sind. Gleichzeitig entsteht mit dem ersten Anwendungsfall bereits eine technische Basis, die später für weitere Aufgaben genutzt werden kann. Messwerte, Prognosen, Steuerbefehle und Rückmeldungen müssen dann nicht für jeden neuen Use Case separat aufgebaut werden.
Damit verändert sich auch die Rolle des Flexibilitätsmanagements: Aus einer reaktiven Regelung für einen einzelnen Zweck wird schrittweise eine vorausschauende Optimierung verschiedener Anlagen und Ziele.
Was wird bei mehreren Flexibilitäts-Use-Cases anspruchsvoller?
Sobald dieselbe Flexibilität für verschiedene Anwendungen eingesetzt werden kann, muss ihr Einsatz priorisiert werden. Ein Batteriespeicher könnte beispielsweise für die Portfoliobewirtschaftung genutzt werden, später aber auch für Peak-Shaving oder einen anderen energiewirtschaftlichen Zweck wertvoll sein. Eine rein reaktive Entscheidung reicht dann nicht mehr.
Künftig muss eine Optimierung deshalb unter anderem Prognosen, Anlagenrestriktionen, Marktpreise und Netzanforderungen über einen längeren Planungshorizont gemeinsam betrachten. Ziel ist keine vollständig autonome «Black Box». Der Energieversorger soll die Kontrolle über Regeln, Geschäftsprozesse, Kundenbeziehungen und Vergütungsmodelle behalten.
Wie sollten Energieversorger mit Flexibilitätsmanagement starten?
Ein klar abgegrenzter produktiver Use Case ist häufig sinnvoller als der sofortige Aufbau einer umfassenden Flexibilitätsplattform. Der Praxiseinsatz zeigt einen möglichen Weg:
einen wirtschaftlich nachvollziehbaren Anwendungsfall definieren,
geeignete steuerbare Anlagen auswählen,
Messdaten und Konnektivität sicherstellen,
mit verständlichen Entscheidungsregeln starten,
Ergebnisse transparent auswerten,
die Lösung anhand realer Erfahrungen schrittweise erweitern.
So entstehen früh belastbare Erkenntnisse zu Technik, Betriebsprozessen und Wirtschaftlichkeit.
Fazit: Erst Transparenz schaffen, dann gezielt automatisieren
Die Erfahrungen aus eineinhalb Jahren Praxiseinsatz zeigen, dass Intraday-Hochrechnung und gezielter Flexibilitätseinsatz zu einer wirksameren kurzfristigen Portfoliobewirtschaftung beitragen können. Besonders wichtig sind aktuelle Messdaten, zuverlässige Konnektivität, verständliche Regellogiken und eine Architektur, die sich auf weitere Anlagen und Anwendungen erweitern lässt. Für Energieversorger bedeutet das: Flexibilitätsmanagement muss nicht mit maximaler Komplexität beginnen. Ein klarer, wirtschaftlich messbarer Anwendungsfall kann die bessere Grundlage sein, um im produktiven Betrieb Erfahrungen zu sammeln.
Du möchtest prüfen, welche Flexibilitäten in deinem Portfolio bereits nutzbar sind?
meonet unterstützt Energieversorger bei der Verbindung von Energiedaten, Portfoliobewirtschaftung, Anlagensteuerung und praxistauglichen Softwarelösungen. Kontaktiere Paul Hugentobler für mehr Informationen.
Weitere Informationen zum Erfahrungsbericht mit Energie Thun findest du auch im Bulletin-Artikel vom 21. September 2026.


Paul Hugentobler
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